Jan Roß

Die Verteidigung des Menschen
Warum Gott gebraucht wird

2. Auflage Dezember 2012
Copyright: 2012 Rowohlt Berlin Verlag GmbH, Berlin
"In der Religion hat die Menschheit angefangen, die großen Fragen zu stellen: nach Tod und Unsterblichkeit, nach Schuld und Vergebung, nach dem Universum. Religion kann die Wirklichkeit kathedralenartig überwölben, aber auch umstürzlerisch über sie hinausdrängen; sie hat Herrscher gesalbt - und Revolutionen beflügelt. Religion ist Fest - und Alternative. Wir haben uns angewöhnt, in ihr eine niederdrückende und bevormundende Kraft zu sehen. Der Fall Galilei und das Verbot der Pille sind die Muster. Die Enge im Namen des Glaubens gibt es, genauso wie es den Terror im Namen des Glaubens gibt, und beide sind schrecklich. Aber in ihrem Wesen, als menschliches Grundbedürfnis, ist Religion nicht Beschränktheit, sondern Weite"

Eine bisweilen hysterische Angst vor der Religion geht bei uns um - vor muslimischen Kopftüchern, Moscheen und Minaretten, vor bibeltreuen US-Reaktionären und einem stockkonservativen Papst, vor befremdlichen Bräuchen wie der Beschneidung. Zur Furcht kommt die Ignoranz: Aus dem herrschenden Bewusstsein ist die Glaubenstradition weithin verschwunden, auch die christliche. Wir leben nicht nur in einer Gesellschaft mit wachsender Religionsfeindschaft. Wir steuern auf eine Kultur des religiösen Analphabetismus zu. 
Dabei ist, wie Jan Roß zeigt, die Religion ihrem Wesen nach keine Gefahr für den Menschen, sondern im Gegenteil eine Bastion der Humanität. Die Suche nach Gott hat die kühnsten Gedanken inspiriert, die Ideen von Sünde, Ewigkeit und Gewissen haben unserem Selbstverständnis Tiefe gegeben. Religion ist eine Kraft, ohne die das Leben ärmer, enger und kälter wäre. Ihr zuerst verdanken wir die Utopie von Brüderlichkeit und Gleichheit. Die pure Diesseitigkeit dagegen legt dem Menschen Fesseln an und lässt ihn verkümmern. Eine provozierende Zeitdiagnose - und ein bewegendes Plädoyer für einen neuen religiösen Humanismus.

Der Autor:

Jan Roß, 1965 in Hamburg geboren, ist Redakteur der "Zeit" und für die Koordination der außenpolitischen Berichterstattung zuständig. 1998 erschien "Die neuen Staatsfeinde", 2000 "Der Papst. Johannes Paul II. - Drama und Geheimnis ", 2005, gemeinsam mit Richard von Weizsäcker, "Was für eine Welt wollen wir?" und 2008 "Was bleibt von uns? Das Ende der westlichen Weltherrschaft".

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